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Showtime

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Jür­gen Mül­ler

Was bleibt von den Hau­te Cou­ture-Schau­en?

Bil­der. Von Sil­va­na Arma­ni, die sich trotz stan­ding ova­tions nicht so recht freu­en woll­te, dass sie jetzt den Platz ihres Onkels ein­ge­nom­men hat. Von Mathieu Bla­zys ver­träum­ter Cha­nel-Kulis­se, der sei­ne Models zu Vogel­ge­zwit­scher zwi­schen rie­si­gen Pil­zen fla­nie­ren ließ. Eben­sol­che scheint Dani­el Rose­ber­ry für sei­ne sur­rea­lis­ti­schen – und wun­der­ba­ren – Krea­tio­nen für Schia­pa­rel­li ein­ge­nom­men zu haben.

Die aller­meis­te Auf­merk­sam­keit gehör­te in Paris indes einem ande­ren Show Act: Jeff Bezos und sei­ner Frau Lau­ren San­chez-Bezos. Er in good shape, aber lei­der schlecht­sit­zen­dem schwar­zen Anzug und Son­nen­bril­le. Die trägt man neu­er­dings ja auch in Davos. Sie im haut­engen Kos­tüm mit einem volu­mi­nö­sen Pelz­schal um das aus­la­den­de Dekol­le­tee, aus dem ein spit­zen­be­setz­tes Top lug­te.

Die Reak­tio­nen der Fach­leu­te auf den Mobs­ter-Look waren wenig schmei­chel­haft. "Sie sieht aus wie ein Böse­wicht aus einem Car­toon, die um den Hals trägt, was sie gera­de gekillt hat", ätzt Diet_Prada. "Nur sie lässt Dior aus­se­hen wie von Ama­zon."

Nach allem, was von Jeff Bezos weiß, kann man sich nicht vor­stel­len, dass er etwas ohne Kal­kül tut. Wenn sei­ne Bou­le­vard-Auf­trit­te das Ziel haben soll­ten, Ama­zon fashionabler zu posi­tio­nie­ren, dann soll­te er aller­dings bes­ser sei­ne Bera­ter feu­ern. Wahr­schein­li­cher ist, dass hier ein Nerd nach 30 Jah­ren har­ter Arbeit an einem Welt­kon­zern auch mal ein wenig Spaß haben und sein Leben genie­ßen möch­te. Und sei­ne zei­ge­freu­di­ge zwei­te Gat­tin hat nun mal offen­kun­dig ein Fai­ble für Fashion. Man wüss­te zu ger­ne, wie MacKen­zie Scott, mit der Bezos sei­ner­zeit Ama­zon grün­de­te, über die Wand­lung ihres Ex-Man­nes denkt.

Aber so ist das halt in Olig­ar­chen-Krei­sen. Wo Otto-Nor­mal-Neu­rei­che ihrer Liebs­ten eine Desi­gner-Hand­ta­sche schen­ken, kauft ein Bezos sei­ner Gat­tin mit einer Mil­lio­nen­spen­de für die Met-Gala den Ein­tritt zum ver­meint­li­chen Fashion-Olymp. Weil Geld bekannt­lich nicht stinkt, wird Met-Gala-Tür­ste­he­rin Anna Win­tour die Bezos' umar­men, selbst wenn sie Lau­rens Stil ver­ach­ten soll­te, schreibt Siems Luck­waldt in Capi­tal. Dass der Ama­zon-Grün­der sich im Blitz­licht­ge­wit­ter der front row sonnt, wäh­rend sein Unter­neh­men im gro­ßen Stil Arbeits­plät­ze abbaut – 30.000 seit dem letz­ten Okto­ber – lässt die Auf­trit­te erst recht fri­vol erschei­nen. Auch bei der Washing­ton Post hat Bezos gera­de 300 der 800 Redak­teu­re ent­las­sen. Zugleich inves­tiert Ama­zon laut einer aktu­el­len Bloom­berg-Mel­dung 50 Mil­li­ar­den in Open AI.

59 Millionen Euro für einen Kartellrechtsverstoß sind eine hohe Strafe, aber doch kaum mehr als Bezos Hochzeit in Venedig Medienberichten zufolge gekostet hat.

Ges­tern hat der Kon­zern nun sei­ne neu­es­ten Quar­tals­er­geb­nis­se vor­ge­legt: Von Okto­ber bis Dezem­ber stie­gen die Erlö­se über­ra­schend kräf­tig um 14 Pro­zent auf 213,4 Mil­li­ar­den Dol­lar. Der ope­ra­ti­ve Gewinn lag mit 25 Mil­li­ar­den im Rah­men der Erwar­tun­gen. 200 Mil­li­ar­den will Ama­zon in die­sem Jahr inves­tie­ren, größ­ten­teils in KI. Das kos­tet. Der Kurs sack­te ges­tern um 4 Pro­zent ab, seit Anfang die­ser Woche hat die Aktie allen Spar­maß­nah­men zum Trotz mehr als 8 Pro­zent ver­lo­ren.

Eben­falls ges­tern hat das Bun­des­kar­tell­amt Ama­zon mit einer 59-Mil­lio­nen-Euro-Stra­fe wegen rechts­wid­ri­ger Preis­vor­ga­ben belegt. Das Timing ist natür­lich rei­ner Zufall… 59 Mil­lio­nen sind viel Geld, aber doch kaum mehr als Bezos Hoch­zeit in Vene­dig Medi­en­be­rich­ten zufol­ge gekos­tet hat. Den­noch wird Ama­zon gegen die Ent­schei­dung natür­lich Rechts­mit­tel ein­le­gen.

Hin­zu kommt, dass die Regu­lie­rung von US-Kon­zer­nen durch hie­si­ge Behör­den neu­er­dings unter Poli­tik­ver­dacht steht. Und Jeff Bezos hat bei Donald Trump womög­lich noch etwas gut. 40 Mil­lio­nen Dol­lar hat Ama­zon in Mela­nia inves­tiert – den "Doku­men­tar­film", der am Wochen­en­de in die Kinos kam, wahr­schein­lich, um kom­men­des Jahr für einen Oscar nomi­niert wer­den zu kön­nen, wo die Nor­we­ger Trump doch den Frie­dens­no­bel­preis vor­ent­hal­ten. 28 Mil­lio­nen sol­len als Hono­rar direkt an die First Lady geflos­sen sein.

Aber las­sen wir das. Eigent­lich soll­te es in die­sem Text ja um Moden­schau­en gehen. Denn ver­gan­ge­ne Woche war ja auch noch die Ber­lin Fashion Week. Tags zuvor ver­gab sei­nen Visio­na­ry Award an das Mai­län­der Label Insti­tu­ti­on: Desi­gner Galib Gas­s­an­off gewinnt 50.000 Euro und darf im August bei der nächs­ten Fashion Week eine Show insze­nie­ren.

In Kopen­ha­gen!

Wor­über sagt das mehr: Über die Igno­ranz des größ­ten Ber­li­ner Mode­un­ter­neh­mens gegen­über sei­ner Stadt und sei­nem home mar­ket? Oder über die Rele­vanz der Ber­lin Fashion Week?

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