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Jür­gen Mül­ler

Bei aller aktu­el­len Tris­tesse im Markt – es gibt auch noch Erfolgs­ge­schich­ten. Meh­re­re Play­er sorg­ten die­ser Tage für posi­ti­ve Schlag­zei­len.

Zum Bei­spiel Strauss. Dem Work­wear-Anbie­ter ist mit cle­ve­rem Sport­spon­so­ring gelun­gen, zur ange­sag­ten Mar­ke auch jen­seits der Bau­stel­len zu wer­den. Es soll, wenn man der TW glau­ben darf, Mode­händ­ler geben, die die Jacken von Strauss ger­ne in ihrer Out­door-Abtei­lung ver­kau­fen wür­den. In Bie­ber­ge­münd denkt man dage­gen kon­se­quent ver­ti­kal. Nach einem ein­jäh­ri­gen Test star­tet jetzt der Roll-out bei Bau­haus. Bis in einem hal­ben Jahr will man über 200 Flä­chen in den Bau­märk­ten betrei­ben.

Das ist in vie­ler­lei Hin­sicht klug. Es soll ja nicht weni­ge Män­ner geben, die ihren Sams­tag lie­ber im Bau­markt als in der Fuß­gän­ger­zo­ne ver­brin­gen. Und am Nach­mit­tag schau­en sie dann Bun­des­li­ga, wo sie womög­lich auch Strauss-Ban­den­wer­bung sehen. Im Bau­markt ist nicht nur 100% Ziel­grup­pe unter­wegs, Strauss ist dort auch kon­kur­renz­los. Für Bau­haus ist das kom­pe­ten­te Work­wear-Sor­ti­ment von Strauss wie­der­um ein Fre­quenz­brin­ger. Die­se Dis­tri­bu­ti­ons­po­li­tik stützt die Mar­ken­po­si­tio­nie­rung von Strauss. Eine for­cier­te Expan­si­on im Umfeld von Mode­an­bie­tern oder gar ein Who­le­sa­le Busi­ness mit dem Mode­fach­han­del könn­te sie mit­tel­fris­tig ver­wäs­sern. Auch Puma hat in den 2010er Jah­ren die Mode­wel­le gerit­ten, eine Wahn­sinns-Wachs­tums­ge­schich­te geschrie­ben, aber dar­über sei­ne Heri­ta­ge als Aus­rüs­ter erfolg­rei­cher Ath­le­ten ver­nach­läs­sigt. Was der Mar­ke bis heu­te noch anhängt.

Fami­lie Strauss scheint es anders anzu­ge­hen. Das schließt den einen oder ande­ren Store in zen­tra­len Lagen nicht aus, mit denen die Mar­ke ja eben­falls zu lieb­äu­geln scheint. Die­se Stand­or­te stel­len frei­lich noch ein­mal ganz ande­re Anfor­de­run­gen, was Sor­ti­men­tie­rung, Mer­chan­di­se Manage­ment und Prä­sen­ta­ti­on angeht. Ein gro­ßer Name über den Laden­ein­gang allein reicht nicht. Die­sem Irr­tum sind auch vie­le ande­re Brands bereits auf­ge­ses­sen.

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Ama­zon ist jetzt das umsatz­stärks­te Unter­neh­men der Welt. Mit 717 Mil­li­ar­den US-Dol­lar über­holt der Online-Gigant erst­mals Walm­art, der im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt stets an der Spit­ze des For­tu­ne 500-Ran­kings stand und zuletzt 713 Mil­li­ar­den umsetz­te. Weni­ger als die Hälf­te (41 Pro­zent) des Ama­zon-Umsat­zes kommt übri­gens aus Han­dels­ge­schäf­ten, der Rest ent­fällt auf Pro­vi­sio­nen, Wer­bung und Cloud Ser­vices. Soll­te uns das beru­hi­gen? Allein AWS steu­ert 129 Mil­li­ar­den Dol­lar bei, fast 46 Mil­li­ar­den blei­ben allein in die­ser Spar­te als Gewinn hän­gen. Viel Spiel­geld für Quer­sub­ven­tio­nie­rung und inno­va­ti­ve Expe­ri­men­te also.

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Indi­tex ist nicht nur Kun­den­lieb­ling, son­dern auch Anle­ger­lieb­ling. Ver­gan­ge­ne Woche erreich­te die Aktie mit 38,16 Euro ein All­zeit­hoch. Der Kurs hat sich in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren mehr als ver­dop­pelt. Der Zara-Mut­ter kommt zupass, dass Inves­to­ren ihr Kapi­tal der­zeit von hoch­ris­kan­ten Wachs­tums­wer­ten in soli­de Cash­flow-Gene­ra­to­ren umschich­ten. Als sol­cher Qua­li­ty Stock wird Indi­tex gese­hen, und das, obwohl es hier ja um Mode geht, ein bekann­ter­ma­ßen ris­kan­tes Geschäft, um das das gro­ße Geld in letz­ter Zeit eher einen Bogen gemacht hat. Aus­nahms­wei­se hono­riert die Bör­se mal ope­ra­ti­ve Per­for­mance und nicht bloß Wachs­tums­fan­ta­sien.

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Deich­mann eröff­net sei­ne neue Fir­men­zen­tra­le in Essen. Am Ran­de ver­kün­det Hein­rich Deich­mann, wie es dem Unter­neh­men geht. „Wir haben das Geschäfts­jahr 2025 mit einem soli­den Ergeb­nis abge­schlos­sen und uns in einem schwie­ri­gen Markt­um­feld behaup­tet", so Hein­rich Deich­mann mit gewohn­tem Under­state­ment. Wenn man sieht, wie kata­stro­phal die Geschäf­te im Schuh­han­del zur­zeit vie­ler­orts lau­fen, sind 2 Pro­zent Wachs­tum sehr soli­de. Horsch, Görtz, Sutor, Gebr. Götz, Anika, Schuh­kay – etli­che Fir­men sind in der Insol­venz oder Sanie­rungs­fäl­le. In Deutsch­land ist Deich­mann 2025 mit sei­nen 1300 Filia­len aller­dings auch nicht gewach­sen. Da ist es gut, dass das Unter­neh­men inzwi­schen 70% sei­nes 8,9 Mil­li­ar­den Euro-Umsat­zes inter­na­tio­nal erzielt und sein Geschäft zudem auf ver­schie­de­nen Retail Brands und Ver­triebs­ka­nä­len auf­baut.

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Was haben die­se Erfolgs­ge­schich­ten gemein­sam (außer dass es sich um Mil­li­ar­den­un­ter­neh­men han­delt, die man natür­lich nicht eben mal so nach­bau­en kann)?

Sie haben Mar­ken eta­bliert, die die Kun­den ken­nen und denen sie ver­trau­en. Und dahin­ter Geschäfts­mo­del­le ste­hen, die auf effi­zi­en­te Art und Wei­se Kun­den­be­dürf­nis­se bedie­nen und damit bes­te Preis/Leistung garan­tie­ren kön­nen. Dass hin­ter den genann­ten Bei­spie­len Fami­li­en­un­ter­neh­mer ste­hen, die für Klar­heit, Kon­ti­nui­tät und Strin­genz in der Füh­rung sor­gen und lang­fris­tig den­ken und agie­ren, ist womög­lich auch kein Zufall.