
Bei aller aktuellen Tristesse im Markt – es gibt auch noch Erfolgsgeschichten. Mehrere Player sorgten dieser Tage für positive Schlagzeilen.
Zum Beispiel Strauss. Dem Workwear-Anbieter ist mit cleverem Sportsponsoring gelungen, zur angesagten Marke auch jenseits der Baustellen zu werden. Es soll, wenn man der TW glauben darf, Modehändler geben, die die Jacken von Strauss gerne in ihrer Outdoor-Abteilung verkaufen würden. In Biebergemünd denkt man dagegen konsequent vertikal. Nach einem einjährigen Test startet jetzt der Roll-out bei Bauhaus. Bis in einem halben Jahr will man über 200 Flächen in den Baumärkten betreiben.
Das ist in vielerlei Hinsicht klug. Es soll ja nicht wenige Männer geben, die ihren Samstag lieber im Baumarkt als in der Fußgängerzone verbringen. Und am Nachmittag schauen sie dann Bundesliga, wo sie womöglich auch Strauss-Bandenwerbung sehen. Im Baumarkt ist nicht nur 100% Zielgruppe unterwegs, Strauss ist dort auch konkurrenzlos. Für Bauhaus ist das kompetente Workwear-Sortiment von Strauss wiederum ein Frequenzbringer. Diese Distributionspolitik stützt die Markenpositionierung von Strauss. Eine forcierte Expansion im Umfeld von Modeanbietern oder gar ein Wholesale Business mit dem Modefachhandel könnte sie mittelfristig verwässern. Auch Puma hat in den 2010er Jahren die Modewelle geritten, eine Wahnsinns-Wachstumsgeschichte geschrieben, aber darüber seine Heritage als Ausrüster erfolgreicher Athleten vernachlässigt. Was der Marke bis heute noch anhängt.
Familie Strauss scheint es anders anzugehen. Das schließt den einen oder anderen Store in zentralen Lagen nicht aus, mit denen die Marke ja ebenfalls zu liebäugeln scheint. Diese Standorte stellen freilich noch einmal ganz andere Anforderungen, was Sortimentierung, Merchandise Management und Präsentation angeht. Ein großer Name über den Ladeneingang allein reicht nicht. Diesem Irrtum sind auch viele andere Brands bereits aufgesessen.
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Amazon ist jetzt das umsatzstärkste Unternehmen der Welt. Mit 717 Milliarden US-Dollar überholt der Online-Gigant erstmals Walmart, der im vergangenen Jahrzehnt stets an der Spitze des Fortune 500-Rankings stand und zuletzt 713 Milliarden umsetzte. Weniger als die Hälfte (41 Prozent) des Amazon-Umsatzes kommt übrigens aus Handelsgeschäften, der Rest entfällt auf Provisionen, Werbung und Cloud Services. Sollte uns das beruhigen? Allein AWS steuert 129 Milliarden Dollar bei, fast 46 Milliarden bleiben allein in dieser Sparte als Gewinn hängen. Viel Spielgeld für Quersubventionierung und innovative Experimente also.
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Inditex ist nicht nur Kundenliebling, sondern auch Anlegerliebling. Vergangene Woche erreichte die Aktie mit 38,16 Euro ein Allzeithoch. Der Kurs hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Der Zara-Mutter kommt zupass, dass Investoren ihr Kapital derzeit von hochriskanten Wachstumswerten in solide Cashflow-Generatoren umschichten. Als solcher Quality Stock wird Inditex gesehen, und das, obwohl es hier ja um Mode geht, ein bekanntermaßen riskantes Geschäft, um das das große Geld in letzter Zeit eher einen Bogen gemacht hat. Ausnahmsweise honoriert die Börse mal operative Performance und nicht bloß Wachstumsfantasien.
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Deichmann eröffnet seine neue Firmenzentrale in Essen. Am Rande verkündet Heinrich Deichmann, wie es dem Unternehmen geht. „Wir haben das Geschäftsjahr 2025 mit einem soliden Ergebnis abgeschlossen und uns in einem schwierigen Marktumfeld behauptet", so Heinrich Deichmann mit gewohntem Understatement. Wenn man sieht, wie katastrophal die Geschäfte im Schuhhandel zurzeit vielerorts laufen, sind 2 Prozent Wachstum sehr solide. Horsch, Görtz, Sutor, Gebr. Götz, Anika, Schuhkay – etliche Firmen sind in der Insolvenz oder Sanierungsfälle. In Deutschland ist Deichmann 2025 mit seinen 1300 Filialen allerdings auch nicht gewachsen. Da ist es gut, dass das Unternehmen inzwischen 70% seines 8,9 Milliarden Euro-Umsatzes international erzielt und sein Geschäft zudem auf verschiedenen Retail Brands und Vertriebskanälen aufbaut.
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Was haben diese Erfolgsgeschichten gemeinsam (außer dass es sich um Milliardenunternehmen handelt, die man natürlich nicht eben mal so nachbauen kann)?
Sie haben Marken etabliert, die die Kunden kennen und denen sie vertrauen. Und dahinter Geschäftsmodelle stehen, die auf effiziente Art und Weise Kundenbedürfnisse bedienen und damit beste Preis/Leistung garantieren können. Dass hinter den genannten Beispielen Familienunternehmer stehen, die für Klarheit, Kontinuität und Stringenz in der Führung sorgen und langfristig denken und agieren, ist womöglich auch kein Zufall.