Berlin scaled

Koffer gepackt? Das Modebusiness trifft sich heute in der Hauptstadt. Was erwartet uns da?

Was vor sie­ben Jah­ren mit zwei Mes­sen in Span­dau und am Pots­da­mer Platz begann, hat sich zu einem Groß­ereig­nis ent­wi­ckelt, mit einer Strahl­kraft, die weit über das Fach­pu­bli­kum hin­aus wirkt. Und das ist gut so. Das zeigt nicht zuletzt, dass Mode bzw. was die Men­schen damit ver­bin­den, nach wie vor eine enor­me Fas­zi­na­ti­on aus­übt. Wenn die Bran­che sich die­ser Tage selbst fei­ert, dann tut sie letzt­lich, was von ihr erwar­tet wird.In Ber­lin ist gelun­gen, was das Mode­busi­ness andern­orts stets ver­misst hat. Das hängt mit den vie­len Initia­ti­ven zusam­men, die sich abseits des offi­zi­el­len Pro­gramms ent­wi­ckelt haben. Die­se haben zwar meist kei­ne kom­mer­zi­el­le Rele­vanz, konn­ten so aber nur im kul­tu­rel­len Umfeld einer wirk­li­chen Metro­po­le ent­ste­hen. Weil sich mit “Ber­lin” die unter­schied­lichs­ten Inter­es­sen und Erwar­tun­gen ver­bin­den, wird in Fach­krei­sen und im Feuil­le­ton zwar auch viel durch­ein­an­der gere­det, gelobt, geschimpft, gezwei­felt, geschwa­felt. Doch das macht nichts – Haupt­sa­che, es wird geredet.

So ist Ber­lin vom rei­nen B2B- zum B2C-Event gewor­den, zur Are­na einer brei­ten Öffent­lich­keit, zur Büh­ne für Selbst­dar­stel­lung und Mar­ke­ting. Allen vor­an für den Auto­kon­zern, der der Mer­ce­des Benz Fashion Week ihren Namen gibt. Aber auch für Schau­spie­ler, Mode­ra­to­rin­nen, Poli­ti­ker und sons­ti­ge Pro­mi­nenz, die in der ers­ten Rei­he um die Auf­merk­sam­keit der Kame­ras buhlt. Auch die zahl­rei­chen Events von Hugo Boss bis Vogue zie­len nicht nur aufs Fach­pu­bli­kum. In die­sem Sin­ne ist Ber­lin für die kom­men­den fünf Tage tat­säch­lich so etwas wie die deut­sche Modehauptstadt. 

Was – neben dem Mar­ke­ting-Aspekt – bewegt die Pro­fis, nach Ber­lin zu rei­sen? Die Ber­li­ner Desi­gner, die so etwas wie der Humus der Ver­an­stal­tung sind, haben auf dem Bebel­platz zwar eine Büh­ne. Kom­mer­zi­ell spie­len sie den­noch kei­ne beson­de­re Rol­le. Über­haupt war der Schau­en­plan schon ein­mal stär­ker besetzt. Für Ein­käu­fer ist das meis­te nach wie vor nicht son­der­lich rele­vant. Für sie gibt es Show­rooms und Messen.

Die tri­um­pha­le Rück­kehr der Bread & But­ter im ver­gan­ge­nen Som­mer ent­fach­te eine enor­me Sog­wir­kung. Mit der Ent­schei­dung bewies Bread & But­ter-Macher Karl-Heinz Mül­ler Sinn für Timing. Ver­deck­te die Ent­schei­dung doch, dass Bar­ce­lo­na zuletzt geschwä­chelt hat. Davor dürf­te Ber­lin eine Wei­le gefeit sein. Die Haupt­stadt bie­tet bedeu­tend mehr Abwechs­lung und immer wie­der Neu­es. Die Bran­che sucht die­se per­ma­nen­te Auf­re­gung. In einer Zeit, wo Sys­tem­ge­schäft und Ver­ti­ka­li­sie­rung den Markt ver­än­dern, gilt dies viel­leicht umso mehr.

Der teu­re Wett­streit der immer gigan­ti­sche­ren Mes­se­auf­trit­te in Tem­pel­hof wird die Kauf­leu­te eines Tages den­noch die Kos­ten/­Nut­zen-Fra­ge stel­len las­sen. Zumal unter gro­ßen Mar­ken (und manch­mal auch unter jenen, die sich dafür hal­ten) nicht sel­ten die Mei­nung vor­herrscht, sie könn­ten Brand Buil­ding an der Pro­fi-Com­mu­ni­ty vor­bei betrei­ben. Auch wenn dies sicher wenig umsich­tig und kurz­fris­tig gedacht ist – das hat Flo­renz erlebt, das muss­te die Ispo hin­neh­men, das war der Anfang vom Ende in Köln. In der Haupt­stadt ist das zur­zeit kein The­ma. Wenn die Mes­se-Macher wei­ter­hin für Span­nung sor­gen, wird es so schnell auch keins. Ber­lin hilft ihnen dabei.

Und hier noch ein paar Events, wo man gewe­sen sein muss: 

Diens­tag stellt John Mal­ko­vich sei­ne neue Kol­lek­ti­on bei The Cor­ner vor. Noch fröh­li­cher wird es beim Sport­freun­de Stil­ler-Kon­zert beim Bread & But­ter Ope­ning zuge­hen. Läuft lei­der parallel.

Mitt­woch: Das Halb­fi­na­le Deutsch­land-Spa­ni­en erlebt man am bes­ten auf der Bread & But­ter. Das eigens auf­ge­bau­te Sta­di­um fasst 5000 Leu­te. Um 19 Uhr heizt Live-Act Patri­ce ein. Vor­her noch kurz bei der G‑Star-Par­ty vor­bei­schau­en (18 Uhr). Spä­ter zur Vogue Fashion Night im Bor­chardt. Vor­her umziehen!

Don­ners­tag: Wahr­schein­lich wie­der einer der Höhe­punk­te in Ber­lin: Die Show von Hugo Boss im Park Gleis­drei­eck. Viel Bran­che. Viel Pro­mi­nenz. Glän­zen­de Unterhaltung.

Frei­tag: Die Mich­alsky Style Nite im Tem­po­drom. Alle wer­den da sein.

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