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Bravo, Jana und Alex!

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Wir ken­nen uns, seit sie 17 war. Ich ver­ra­te nicht, wie lan­ge das her ist. Jana Kern war eine so inter­es­sier­te, enga­gier­te und talen­tier­te Prak­ti­kan­tin, dass wir ihr selbst­ver­ständ­lich eine Zusa­ge gaben, als sie sich nach dem Tex­ti­l­in­ge­nieur­stu­di­um auf ein Volon­ta­ri­at bei der Tex­til­Wirt­schaft bewarb. Nach sechs sehr frucht­ba­ren Jah­ren in der Redak­ti­on fiel es ihr sicht­lich schwer, mir die Kün­di­gung auf den Tisch zu legen. Die Unter­neh­mer­toch­ter hat­te sich für die Selbst­stän­dig­keit ent­schie­den. Sel­ten habe ich einen Abgang so bedauert.

Es war kei­ne Fra­ge,  dass sie mit ihrer Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Stra­te­gie­be­ra­tung Erfolg haben wür­de. Sie spe­zia­li­sier­te sich näm­lich auf Cor­po­ra­te Respon­si­bi­li­ty in der Mode­bran­che – ein zen­tra­les Zukunfts-The­ma, mit dem sie sich schon als Jour­na­lis­tin inten­siv beschäf­tigt hat­te. Irgend­wann tauch­te ein jun­ger Mann an ihrer Sei­te auf. Alex Vogt stieg als Geschäfts­part­ner bei Kern Kom­mu­ni­ka­ti­on ein. Auch er ein CR-Exper­te. Sei­ne Nagold-Abschluss­ar­beit zum The­ma Cor­po­ra­te Respon­si­bi­li­ty im Mode­han­del war 2009 von der Wil­helm Lorch-Stif­tung prä­miert worden.

Die­se Woche traf ich die bei­den wie­der. Auf der Munich Fab­ric Start stell­ten sie in einer Podi­um­s­run­de ihr gemein­sa­mes Baby vor: “Future. Fashion. Eco­no­mics.” heißt das Buch, jeweils mit Punkt, wie man das heu­te, nicht wahr, so macht. Ein “Gui­de für zukunfts­ori­en­tier­tes, ver­ant­wor­tungs­be­wuß­tes Wirt­schafts­den­ken in der Mode­bran­che”, wie es etwas sper­rig in der Unter­zei­le heißt – um nicht “Nach­hal­tig­keit” sagen zu müs­sen, denn das ist eine ver­ba­le Aus­le­ge­wa­re, die Jana Kern ungern in den Mund nimmt.

In das Buch haben die bei­den alles rein­ge­packt, was es zu dem The­ma zu sagen gibt. Kei­ne leich­te Lek­tü­re, son­dern ein anspruchs­vol­les Kom­pen­di­um für Men­schen, die im The­ma sind und eine Ein­ord­nung suchen. Ins­be­son­de­re ver­knüp­fen Jana Kern und Alex Vogt die wirt­schaft­li­chen, sozia­len und öko­lo­gi­schen Aspek­te von “Sus­taina­bi­li­ty” mit dem alles ver­än­dern­den Mega­trend der Digi­ta­li­sie­rung. So zei­gen sie Sze­na­ri­en für das Mode­busi­ness auf, die sich aus einem neu­en Ver­hält­nis von Inno­va­tio­nen, Tech­no­lo­gien und einem ver­än­der­ten Wer­te­ver­ständ­nis ent­wi­ckeln. Ergänzt wird das Gan­ze um Exper­ten­in­ter­views, Best Prac­ti­ces und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für zukunfts­ori­en­tier­tes und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­tes Wirt­schaf­ten in der Modebranche.

“Nach­hal­tig­keit” und “Cor­po­ra­te Respon­si­bi­li­ty” sind für Jana Kern und Alex Vogt nur Vor­gän­ger­mo­del­le für das, was sie “Thriva­bi­li­ty” nen­nen: ein Ansatz, der öko­lo­gi­sche und sozia­le Ver­ant­wor­tung nicht mit der Moral­keu­le ein­for­dert, son­dern mit Inno­va­ti­on und Begeis­te­rung ver­knüpft. Die­ser kon­struk­ti­ve Ansatz hebt das Buch von den übli­chen Ankla­ge­schrif­ten und Skan­dal­wer­ken ab, wie etwa dem eben­falls die­ser Tage erschei­nen­den H&M‑Enthüllungsbuch “Modes­kla­ven”.

Und hier kann man “Fashion. Future. Eco­no­mics.” bestellen.