Mustang macht’s mit C&A, NA-KD mit Kaufhof, Schönberger mit MCM. S.Oliver ohne Lenz. Bye Bye Honest by.

photo21C&A führt ab sofort Mustang, das ist schon eine Schlagzeile wert. Man mag nicht gleich vom Einstieg in den Multilabel-Handel sprechen. Aber der vertikale Pionier, der seit Jahrzehnten von seinen eigenen Marken lebt, reichert sein Sortiment mit einer „echten“ Marke an. Das ist auch irgendwie eine Kapitulationserklärung. Früher hat der Modefilialist mit Millionenaufwand Rodeo und Jingler-Jeans beworben, heute positioniert man sich mit Preis-Promotions als Primark-Alternative. Die Fremdmarke bedient einen bekannten Mechanismus: Sie rundet das Angebot nach oben ab, was die eigenen Produkte umso preiswerter erscheinen lässt. So wie bei Rewe die Dr. Oetker-Pizza für 2,99 die ebenso schön verpackte „Beste Wahl“-Pizza für 1,79 besonders attraktiv macht. Wobei man das eine wie das andere besser nicht isst. Aber das ist ein anderes Thema.

Im Modebusiness ist diese Praxis im Multilabel-Handel traditionell verbreitet. Anbieter wie P&C führen zwar Hilfiger, verdienen das meiste Geld dann aber doch mit McNeal. Dass Vertikale auf diesen Kniff zurückgreifen, ist immer noch die Ausnahme. Die innovativen H&M-Töchter &other Stories und Arket gehören dazu; dort gibt es zu den mittelpreisigen Klamotten eben auch Marken-Turnschuhe, modische Bulky Sneaker und Rahmengenähte von Trickers für 400 Euro. Vorbild war womöglich J.Crew, der das in seinen US-Läden schon lange so macht.

Nun ist Mustang eine Marke, die ganz gut zur C&A-Zielgruppe passt. Man tritt den Künzelsauern gleichwohl nicht zu nahe, wenn man feststellt, dass C&A nicht die stärkste Denim-Brand aus dem Markt ausgewählt hat. Zu gerne wüsste man, wen die Brenninkmeijers noch gefragt haben. Und ob Mustang den Umsatz gleich verbuchen darf oder erst mit dem Verkauf der Hosen an der C&A-Ladenkasse abrechnet wird. Man darf davon ausgehen, dass der C&A-Einkauf hart verhandelt hat, und bei Mustang nach nicht immer einfachen Jahren auch ein offenes Ohr gefunden haben wird. Wie auch immer: Die 60 neuen Flächen werden dem schwäbischen Jeans-Pionier einen ordentlichen zusätzlichen Millionenumsatz einbringen. Den Schub können die Mustang-Eigentümer gut gebrauchen; der Investorengruppe gehört das Unternehmen ja nun auch schon im 7. Jahr.

Interessant ist, dass Mustang bei C&A mit 49, 59 und 69 Euro Preislagen bedient, die die Marke bislang nicht abdeckt, zumindest nicht aktuell im Webshop. Die Wholesale-Kunden – allen voran Karstadt und Kaufhof – werden sehr genau hinschauen, ob Gina und Sissy und Oregon und Vegas in der Nachbarschaft nicht auf einmal 20 Euro billiger angeboten werden. Der Schuss könnte sonst nach hinten losgehen.

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Und sonst?

… verlässt Gernot Lenz S.Oliver nach nur neun Monaten wieder. Die Halbwertszeit von Managern in Rottendorf wird immer kürzer.

… ist MCM mit der Verpflichtung Dirk Schönbergers ein echter Coup gelungen. Der Adidas-Chefkreative baut nun in Berlin ein Team für den in München gegründeten und heute koreanischen Luxustäschner auf. Die Pendelei nach Herzogenaurach hat ein Ende.

… eröffnet Online-Shooting-Star NA-KD sein erstes deutsches Stationärgeschäft. Als Shop-in-shop bei Kaufhof in Frankfurt. Aus Sicht von Kaufhof ist die Zusammenarbeit mit Influencers Liebling ebenfalls ein Coup.

… schließt Honest by, das ambitionierte Modeprojekt von Bruno Pieters. Der Webshop hatte voll auf Nachhaltigkeit und auf radikale, hundertprozentige Transparenz gesetzt, bis hin zur Offenlegung des erzielten Gewinns. Der ist ausgeblieben. Eine revolutionäres Konzept nützt halt nichts, wenn die Produkte nicht gefallen.

… hat sich das Konsumklima laut HDE im Oktober wieder deutlich aufgehellt. Wovon in den Kassen des Modehandels leider nicht allzu viel zu spüren ist. Immerhin, so eine PwC-Studie, hat der Anteil der Stationärkäufer in Deutschland im Vergleich zu von vor zwei Jahren wieder zugenommen. Wie sähe es in den Läden erst aus, wenn das anders wäre?

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profashionals

Mehr als 20 Jahre journalistische Arbeit bei der TextilWirtschaft. Als Redakteur, Korrespondent, Business-Ressortleiter. Chefredakteur von 2006 bis 2011. Die TextilWirtschaft ist das führende Medium für das Modebusiness im deutschsprachigen Europa. Seit 2012 selbstständig in der Personalberatung. 2016 Gründer von SUITS. Executive Search.

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