
Das Wetter. Der Juli war für Sommerware zu nass, und jetzt im August, wo immer mehr neue Herbstware in den Läden kommt, war es zu lange zu heiss. Die Anlieferungen wollen bezahlt werden. Da ist es auch kein Trost, dass das Wetter für alle gleich ist.
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Trump demoliert den freien Welthandel. Der Zollwahn des US-Präsidenten schadet der exportorientierten Wirtschaft, vor allem schürt der permanente Zollpoker die Unsicherheit. Die Risikomanager haben schlaflose Nächte. Die Unternehmen warten auf Gewissheiten, die es auf unabsehbare Zeit nicht mehr geben wird, manche bauen vorsorglich Arbeitsplätze ab. Das alles ist Gift fürs Konsumklima. Dabei ist die Kauflaune hierzulande auch so schon schlecht genug. Die von Trump aufgestellten neuen Hürden verursachen zudem Turbulenzen auf den Beschaffungsmärkten und zwingen zur Reorganisation von Lieferketten. Die Kosten steigen. Gleichzeitig drücken die Chinesen ihre Ware zu Dumpingpreisen in die hiesigen Märkte. Zollfrei. Lamentieren hilft allerdings nicht. Wir werden mit dieser neuen Normalität leben lernen müssen.
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Mit Closed geht eine Lovebrand vieler Branchenprofis in die Insolvenz. Wie konnte es soweit kommen? In LinkedIn überbieten sich die Fans mit mehr oder weniger spekulativen Analysen. Das Manager-Magazin berichtet von dubiosen Geldflüssen, die die Pleite beschleunigt haben sollen. Ist Closed demnächst closed? Wohl kaum. Wahrscheinlicher ist, dass die Hamburger Premiummarke am Markt bleibt. Die Interessenten sollen Schlange stehen. Wird sie unter demnächst womöglich neuen Inhabern langfristig noch dieselbe sein?
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Katjes übernimmt Bogner. Eine kurios klingende Meldung. Der Zuckerkonzern hat im Bieterverfahren selbst Hugo Boss ausgestochen, weiß das Manager-Magazin. Wie auch immer: es ist ein vorläufiges Happy End für das Münchner Unternehmen, das eine harte Sanierung mit anschließendem Verkaufsprozess hinter sich hat. Die Refinanzierung hätte auch anders ausgehen können. Ein Finanzinvestor ersetzt jetzt einen anderen Finanzinvestor, und der Einfluss der Familie Bogner bleibt erhalten. Jetzt kann das Management fürs Erste wieder nach vorne schauen und sich daran machen, das Potenzial der Marke auszuschöpfen.
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Luca de Meo erhält als neuer CEO von Kering eine Antrittsprämie von 20 Millionen Euro. Sind die Franzosen derart verzweifelt? Wie hoch wohl de Meos Abfindung ausfallen wird?
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Thomas Rath hat eine neue Frisur. Das lässt die Herzen der HSE-Zuschauerinnen höherschlagen. Und auch Gala feiert die neue Haarpracht. Bislang versteckte sich der Designer meist unter einer Kappe. Aus der Nominierung für den „Hutträger des Jahres“ dürfte jetzt wohl nichts mehr werden.
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Adidas sieht sich in Mexiko einer Kampagne wegen kultureller Aneignung ausgesetzt. Sogar Präsidentin Claudia Sheinbaum mischt sich ein. Der Sportartikler hat eine offenkundig bei Indigenen abgekupferte Oaxaca-Sandale beworben und muss jetzt öffentlich Abbitte leisten. Ob sich die vielen Adiletten-Kopisten auch mal bei den Franken entschuldigen werden? Modedesign ist seit jeher auch ein Akt der Aneignung, die Kreativen sprechen lieber von "Inspiration". Zu dem Thema hat Jeroen van Rooijen vor drei Jahren bereits alles gesagt.
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American Eagle provoziert mit Sydney Sweeney – und Social und andere Media steigen reflexhaft darauf ein. „Jeans“ statt „Genes“, das ist von überschaubar elegantem Wortwitz. Aber gut ausschauen tut Sweeney schon. GAPs kurz darauf gelaunchte Katseye-Kampagne bekommt damit ungewollt eine zusätzliche, politische Dimension: Die Girl Group wirkt plötzlich wie ein Gegenentwurf zum All-American Girl Sweeney. Eine Blondine fehlt allerdings dem divers besetzten Sextett. Ein Fall von Diskriminierung?
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Labubus sind der neue heiße Scheiß. Der Hype um die knuffigen Plüschmonster erinnert an die Aufregung um die Dubai-Schokolade. In Berlin stehen die Menschen hunderte Meter Schlange vor dem ersten deutschen Labubu-Store. Was viele Medien zum Anlass für konsumkritische Texte nehmen. Margarete Stokowski vermutet hinter den Labubu-Thinkpieces einen antifeministischen Impuls: "Komisch, dass das nur passiert, wenn es um Dinge geht, die vor allem von Frauen gekauft werden", so die Spiegel-Autorin in ihrer Kolleg*Innenschelte. Konsumkritik sei nur die einfachste und nutzloseste Art der Kapitalismuskritik. Wer sich über Labubus und andere sinnlose Kaufentscheidungen echauffiert, verfehle das große Ganze. Das sei keine wirkliche Systemkritik, „sondern ironischerweise eher Konsumkritik für den schnellen Kritikkonsum zwischendurch.“ Wahrscheinlich gehört Stokowski zu denen, für die die aktuelle Konsumkrise eine gute Nachricht ist.
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Henning Strauss, dessen Gesicht man nicht allzu oft in der Presse sieht, gibt dem Spiegel ein Interview und lässt sich auch durch provokante Fragen nicht aus der Ruhe bringen. Ganz nebenbei liefert der Co-CEO der Workwear-Marke eine Antithese zu Lagerfelds legendärem Jogginghosen-Verdikt: "Eine Arbeitshose gibt vielen das Gefühl, wieder selbst die Kontrolle zu übernehmen."