Passiert large

Die 10 Aufreger dieses Sommers

Img
Jür­gen Mül­ler

Das Wet­ter. Der Juli war für Som­mer­wa­re zu nass, und jetzt im August, wo immer mehr neue Herbst­wa­re in den Läden kommt, war es zu lan­ge zu heiss. Die Anlie­fe­run­gen wol­len bezahlt wer­den. Da ist es auch kein Trost, dass das Wet­ter für alle gleich ist.

+++++

Trump demo­liert den frei­en Welt­han­del. Der Zoll­wahn des US-Prä­si­den­ten scha­det der export­ori­en­tier­ten Wirt­schaft, vor allem schürt der per­ma­nen­te Zoll­po­ker die Unsi­cher­heit. Die Risi­ko­ma­na­ger haben schlaf­lo­se Näch­te. Die Unter­neh­men war­ten auf Gewiss­hei­ten, die es auf unab­seh­ba­re Zeit nicht mehr geben wird, man­che bau­en vor­sorg­lich Arbeits­plät­ze ab. Das alles ist Gift fürs Kon­sum­kli­ma. Dabei ist die Kauf­lau­ne hier­zu­lan­de auch so schon schlecht genug. Die von Trump auf­ge­stell­ten neu­en Hür­den ver­ur­sa­chen zudem Tur­bu­len­zen auf den Beschaf­fungs­märk­ten und zwin­gen zur Reor­ga­ni­sa­ti­on von Lie­fer­ket­ten. Die Kos­ten stei­gen. Gleich­zei­tig drü­cken die Chi­ne­sen ihre Ware zu Dum­ping­prei­sen in die hie­si­gen Märk­te. Zoll­frei. Lamen­tie­ren hilft aller­dings nicht. Wir wer­den mit die­ser neu­en Nor­ma­li­tät leben ler­nen müs­sen.

+++++

Mit Clo­sed geht eine Love­brand vie­ler Bran­chen­pro­fis in die Insol­venz. Wie konn­te es soweit kom­men? In Lin­ke­dIn über­bie­ten sich die Fans mit mehr oder weni­ger spe­ku­la­ti­ven Ana­ly­sen. Das Mana­ger-Maga­zin berich­tet von dubio­sen Geld­flüs­sen, die die Plei­te beschleu­nigt haben sol­len. Ist Clo­sed dem­nächst clo­sed? Wohl kaum. Wahr­schein­li­cher ist, dass die Ham­bur­ger Pre­mi­um­mar­ke am Markt bleibt. Die Inter­es­sen­ten sol­len Schlan­ge ste­hen. Wird sie unter dem­nächst womög­lich neu­en Inha­bern lang­fris­tig noch die­sel­be sein?

+++++

Kat­jes über­nimmt Bogner. Eine kuri­os klin­gen­de Mel­dung. Der Zucker­kon­zern hat im Bie­ter­ver­fah­ren selbst Hugo Boss aus­ge­sto­chen, weiß das Mana­ger-Maga­zin. Wie auch immer: es ist ein vor­läu­fi­ges Hap­py End für das Münch­ner Unter­neh­men, das eine har­te Sanie­rung mit anschlie­ßen­dem Ver­kaufs­pro­zess hin­ter sich hat. Die Refi­nan­zie­rung hät­te auch anders aus­ge­hen kön­nen. Ein Finanz­in­ves­tor ersetzt jetzt einen ande­ren Finanz­in­ves­tor, und der Ein­fluss der Fami­lie Bogner bleibt erhal­ten. Jetzt kann das Manage­ment fürs Ers­te wie­der nach vor­ne schau­en und sich dar­an machen, das Poten­zi­al der Mar­ke aus­zu­schöp­fen.

+++++

Luca de Meo erhält als neu­er CEO von Kering eine Antritts­prä­mie von 20 Mil­lio­nen Euro. Sind die Fran­zo­sen der­art ver­zwei­felt? Wie hoch wohl de Meos Abfin­dung aus­fal­len wird?

+++++

Tho­mas Rath hat eine neue Fri­sur. Das lässt die Her­zen der HSE-Zuschaue­rin­nen höher­schla­gen. Und auch Gala fei­ert die neue Haar­pracht. Bis­lang ver­steck­te sich der Desi­gner meist unter einer Kap­pe. Aus der Nomi­nie­rung für den „Hut­trä­ger des Jah­res“ dürf­te jetzt wohl nichts mehr wer­den.

+++++

Adi­das sieht sich in Mexi­ko einer Kam­pa­gne wegen kul­tu­rel­ler Aneig­nung aus­ge­setzt. Sogar Prä­si­den­tin Clau­dia Shein­baum mischt sich ein. Der Sport­ar­tik­ler hat eine offen­kun­dig bei Indi­ge­nen abge­kup­fer­te Oaxa­ca-San­da­le bewor­ben und muss jetzt öffent­lich Abbit­te leis­ten. Ob sich die vie­len Adi­let­ten-Kopis­ten auch mal bei den Fran­ken ent­schul­di­gen wer­den? Mode­de­sign ist seit jeher auch ein Akt der Aneig­nung, die Krea­ti­ven spre­chen lie­ber von "Inspi­ra­ti­on". Zu dem The­ma hat Jero­en van Rooi­jen vor drei Jah­ren bereits alles gesagt.

+++++

Ame­ri­can Eagle pro­vo­ziert mit Syd­ney Sweeney – und Social und ande­re Media stei­gen reflex­haft dar­auf ein. „Jeans“ statt „Genes“, das ist von über­schau­bar ele­gan­tem Wort­witz. Aber gut aus­schau­en tut Sweeney schon. GAPs kurz dar­auf gelaunch­te Kat­seye-Kam­pa­gne bekommt damit unge­wollt eine zusätz­li­che, poli­ti­sche Dimen­si­on: Die Girl Group wirkt plötz­lich wie ein Gegen­ent­wurf zum All-Ame­ri­can Girl Sweeney. Eine Blon­di­ne fehlt aller­dings dem divers besetz­ten Sex­tett. Ein Fall von Dis­kri­mi­nie­rung?

+++++

Labu­bus sind der neue hei­ße Scheiß. Der Hype um die knuf­fi­gen Plüsch­mons­ter erin­nert an die Auf­re­gung um die Dubai-Scho­ko­la­de. In Ber­lin ste­hen die Men­schen hun­der­te Meter Schlan­ge vor dem ers­ten deut­schen Labu­bu-Store. Was vie­le Medi­en zum Anlass für kon­sum­kri­ti­sche Tex­te neh­men. Mar­ga­re­te Sto­kow­ski ver­mu­tet hin­ter den Labu­bu-Think­pie­ces einen anti­fe­mi­nis­ti­schen Impuls: "Komisch, dass das nur pas­siert, wenn es um Din­ge geht, die vor allem von Frau­en gekauft wer­den", so die Spie­gel-Autorin in ihrer Kolleg*Innenschelte. Kon­sum­kri­tik sei nur die ein­fachs­te und nutz­lo­ses­te Art der Kapi­ta­lis­mus­kri­tik. Wer sich über Labu­bus und ande­re sinn­lo­se Kauf­ent­schei­dun­gen echauf­fiert, ver­feh­le das gro­ße Gan­ze. Das sei kei­ne wirk­li­che Sys­tem­kri­tik, „son­dern iro­ni­scher­wei­se eher Kon­sum­kri­tik für den schnel­len Kri­tik­kon­sum zwi­schen­durch.“ Wahr­schein­lich gehört Sto­kow­ski zu denen, für die die aktu­el­le Kon­sum­kri­se eine gute Nach­richt ist.

+++++

Hen­ning Strauss, des­sen Gesicht man nicht all­zu oft in der Pres­se sieht, gibt dem Spie­gel ein Inter­view und lässt sich auch durch pro­vo­kan­te Fra­gen nicht aus der Ruhe brin­gen. Ganz neben­bei lie­fert der Co-CEO der Work­wear-Mar­ke eine Anti­the­se zu Lager­felds legen­dä­rem Jog­ging­ho­sen-Ver­dikt: "Eine Arbeits­ho­se gibt vie­len das Gefühl, wie­der selbst die Kon­trol­le zu über­neh­men."