Bruno Pieters setzt auf hundertprozentige Transparenz. Und eine neue Benchmark für Nachhaltigkeit in der Mode.

Ist das die Zukunft? Zumin­dest hat Bru­no Pie­ters einen kom­pro­miss­lo­sen Weg ein­ge­schla­gen. Um den Desi­gner war es nach sei­nem Abschied von Hugo Boss 2010 ruhig gewor­den. Er ent­wi­ckel­te Pro­duk­te für den Leder­wa­ren­her­stel­ler Delva­ux und für H&M‑Tochter Week­day. Und Pie­ters arbei­te­te an sei­nem eige­nen Pro­jekt: Honest By. Der Web­shop setzt voll auf Nach­hal­tig­keit. Und auf radi­ka­le, hun­dert­pro­zen­ti­ge Trans­pa­renz. So wird nicht nur detail­liert über die Zusam­men­set­zung und Her­kunft der Mate­ria­li­en infor­miert, und zwar bis zum letz­ten Knopf und Eti­kett. Auch die Her­stel­lung wird aus­führ­lichst erläu­tert und die Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen wer­den erklärt. Gera­de­zu revo­lu­tio­när ist, dass Pie­ters die Kal­ku­la­ti­on der Pro­duk­te bis hin zum Gewinn pro Teil offen­legt. 20 Pro­zent des Gewinns sol­len an wohl­tä­ti­ge Zwe­cke gehen.

Honest By ist Ende Janu­ar gestar­tet. Im ers­ten Schritt ver­kauft Pie­ters sei­ne eige­ne Kol­lek­ti­on, in mini­ma­len Stück­zah­len. Zug um Zug sol­len wei­te­re Mar­ken auf­ge­nom­men wer­den. Klar, dass auf Honest By kei­ne Pro­duk­te mit Pelz, Leder und Horn ver­trie­ben werden.

Die Radi­ka­li­tät von Pie­ters Pro­jekt ist zunächst mal beein­dru­ckend. Avant­gar­de erschöpft sich heu­te eben nicht mehr in ver­kopf­ten Design-Inspi­ra­tio­nen, die am Ende nur zu mehr oder weni­ger untrag­ba­ren asym­me­tri­schen Schnit­ten füh­ren. Son­dern sie hat (wie­der) eine gesell­schaft­li­che Visi­on und will – viel­leicht zumin­dest ein wenig – die Welt ver­än­dern. In einem Feld wie der Luxus­mo­de, wo man ger­ne eine exklu­si­ve Clo­sed Shop-Men­ta­li­tät pflegt, ist Trans­pa­renz gera­de­zu eine Pro­vo­ka­ti­on. Und Honest By zeigt, was es bedeu­tet, eine Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie kon­se­quent durch­zu­zie­hen. Inso­fern setzt das Pro­jekt eine Bench­mark auch für Main­stream-Mar­ken, die Sozi­al- und Umwelt­ver­träg­lich­keit ja nun eben­falls zuneh­mend für sich reklamieren.

Einen ähn­lich kom­pro­miss­lo­sen Ansatz ver­folgt übri­gens Pata­go­nia mit den Foot­print Chro­ni­cles. Die­se Web­site ermög­licht es eben­so, die Her­kunft von Pro­duk­ten nach­zu­ver­fol­gen. Die Out­door-Mar­ke geht soweit, die Kun­den in der “Wer­bung” auf­zu­for­dern, ihre Pro­duk­te zwecks Resour­cen­scho­nung nicht zu kau­fen. Das mag ja ehr­lich gemeint sein. Trotz­dem ver­stärkt der Appell die Mar­ken­bin­dung und hilft damit dem Geschäft. Ein wenig schein­hei­lig ist so ein Mar­ke­ting des­we­gen schon.

Die Nach­hal­tig­keits­ma­xi­mie­rer ste­cken alle­samt in dem klas­si­schen Dilem­ma zwi­schen Öko­lo­gie und Öko­no­mie. Selbst­ver­ständ­lich ist es so, dass die res­sour­cen­schon­ends­ten Pro­duk­te die­je­ni­gen sind, die gar nicht erst pro­du­ziert wer­den. Das ist für Unter­neh­men aber natür­lich kei­ne Opti­on. Das ist volks­wirt­schaft­lich nicht sinn­voll. Und das ist auch aus Sicht der Ver­brau­cher nicht wün­schens­wert. Denn die wol­len ja Neu­es kau­fen. Aber bit­te mit einem guten Gefühl. Das kön­nen sie bei Honest By defi­ni­tiv haben. Inso­fern kann man sich als Mode­mar­ke bei Bru­no Pie­ters eine Schei­be abschnei­den. In die­ser Kon­se­quenz wird das aber wohl nur in der Nische mach­bar sein. Und ob es am Ende auch wirt­schaft­lich nach­hal­tig ist, steht auf einem ande­ren Blatt.

Bit­te lesen Sie dazu auch: Der H&M Mar­ken­check. Und was die Bio­na­di­sie­rung fürs Mode­busi­ness bedeutet.

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