Flaute in Düsseldorf. Streit in Berlin.

Geschrieben am 26/07/2013

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In Düsseldorf wird immer deutlicher, was seit Saisons spürbar ist: Der Standort der ehemals weltgrößten Modemesse wandelt sich zum regionalen Order-Schauplatz. Dort wartet die Modeindustrie in ihren riesigen Showrooms auf Einzelhändler aus NRW und Russland. Dazu kommen die, die aus alter Gewohnheit an den Rhein fahren. Und natürlich die Einkaufsteams der paar großen Filialisten und Platzhirsche. Am Sonntag war die Frequenz in Halle 29ff und auch in den Showrooms auf der Kaiserswerther jedenfalls ziemlich schwach. Vielleicht war es ja die Hitze. Dass doch noch ein paar Händler angereist waren, spürte man am Abend auf der gut besuchten „Spanish Night“ von Gerry Weber & Co. Aber da gab es ja auch was umsonst.

Doch im Ernst: Düsseldorf hat nicht nur gegen Berlin verloren. Der Messestandort ist auch ein Opfer des Strukturwandels der Branche. Es gibt schlichtweg nicht mehr so viele Einzelhändler wie zu Hochzeiten von Igedo und CPD. Das hat der BTE diese Woche amtlich gemacht: Die Zahl der Unternehmen im deutschen Textileinzelhandel ist seit dem Jahr 2000 von fast 36.000 auf etwas über 22.000 im Jahr 2011 zurückgegangen. Die 27 Großunternehmen mit mehr als 100 Millionen Jahresumsatz haben heute knapp 50% Marktanteil, vor zehn Jahren waren es noch 14 Prozentpunkte weniger.

Auch bei dem gewaltigen Auftrieb, den Berlin zweimal im Jahr erlebt, kann man leicht vergessen, dass sich dort nur ein Teil des Marktes trifft. Und zwar ein tendenziell schrumpfender. Was wächst, sind Systemflächen und vertikale Filialisten. In diesem Geschäftsmodell sind Modemessen nicht vorgesehen bzw. sie erfüllen eine andere Funktion: Wenn Bestseller & Co sich auf der Bread & Butter zeigen, dann sind das Werbeflächen. Um die aktuellen Kollektionen geht es nur am Rande. Fürs Business ist so ein Auftritt nicht zwingend notwendig.

Hier liegt auch der Kern des Problems, das die CPD hatten. Die Marktmitte ist auf dem Weg in die Vertikalität. Einzelhändler wie P&C bauen sukzessive ihr Private Label Business aus. Und die Industrie expandiert mit eigenen Läden. Ob die Retail-Träume der Lieferanten in jedem Fall aufgehen werden, steht auf einem anderen Blatt. Aber auch Wholesale sieht heute ganz anders aus. Die Order-, Produktions- und Distributionsrhythmen der Flächensysteme verlangen eine permanente Vertriebs-Präsenz, wie sie nur ein Showroom bietet.

Zugleich bleibt das Modegeschäft – wahrscheinlich mehr noch als andere Branchen – ein Face-to-Face-Business. Deswegen funktioniert Berlin. Dort geht es um Kommunikation, um Inspiration, um Motivation. Die Berliner Macher haben Veranstaltungen geschaffen, wie sie die Messe-Manager andernorts nicht auf die Beine gestellt bekommen haben.

Das macht die aktuellen Nachrichten aus der Hauptstadt durchaus beunruhigend. Der Krach der Premium-Gründer war vor drei Wochen bereits Messegespräch. Jetzt haben die (lediglich geschäftlich verbandelten und zufällig gleich heißenden) Tillmanns die Scheidung eingereicht. Anita beansprucht das Sorgerecht für das gemeinsame Kind. Wollen wir hoffen, dass die Premium nicht darunter leidet.

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In den kommenden Wochen ist Ferragosto bei Profashionals. Ich schalte um auf Sommerprogramm und wünsche eine schöne Urlaubszeit.

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