Knapp großzügig

Posted on 02/02/2010

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Eine Million! Eine Million Euro spendet Friedrich Knapp für Haiti. Hut ab! Der New Yorker-Inhaber greift tief in die eigene Tasche, um den Opfern des schrecklichen Erdbebens zu helfen. Angesichts dieser Summe ist es legitim, dass Knapp die gute Tat seinem Unternehmen zugeschrieben wissen will. Der Mann, der in den vergangenen bald 40 Jahren ein Unternehmen mit über 750 Filialen, 14000 Mitarbeitern und über 1,4 Mrd. Euro Umsatz aufgebaut hat, wirkt ansonsten lieber im Verborgenen.

Als ich ihn vor Jahren portraitiert habe, war das schon ein bisschen eine Qual für ihn, wie man dem Foto vielleicht ansieht. Doch aus diesem besonderen Anlass machte er nun eine Ausnahme und annoncierte die Spende maximal publikumswirksam im Rahmen der ZDF-Spenden-Nacht “Ein Herz für Kinder”. Die New Yorker-Pressestelle verriet uns gerne, dass der Chef wegen der dauerbesetzten Leitungen Peter Maffay in der Sendung auf dem Handy anrief, um das Geld zuzusagen.

Nach der grauenhaften Katastrophe in Haiti haben viele Modeunternehmen gespendet. Große wie Esprit und S.Oliver und kleine wie Passigatti. Das ist gut. Jeder Euro hilft. Kritisch finde ich, wenn der Eindruck entsteht, dass eine Spende mehr dem Spender als dem Hilfebedürftigen nutzen soll. So wie bei der Aktion von Kik. Ein Cent von jedem Einkauf bei dem Textildiscounter (wie auch bei den anderen Tengelmann-Töchtern) soll an die Erdbebenopfer gehen. Ein Cent! Da müssen die Tengelmann-Kassen 100 Millionen Mal klingeln, um an Fritz Knapp einzige Überweisung auch nur heranzukommen. 

In einem Fall wie Haiti Spenden an Verkäufe zu koppeln, ist problematisch. Denn damit wird das Leid anderer für einen Wettbewerbsvorteil instrumentalisiert.

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